Identität und Geschichte

Seit 2000 Jahren erstrecken sich im Rhônetal
die Weinberge.

  1. 1.

    Alles begann... mit einem Tumult

    Das aus dem Zusammenprall zwischen dem Zentralplateau und den Alpen hervorgegangene Rhônetal ist eine Grabensenke, in die einst das Mittelmeer einfloss. Die vor 300 Millionen Jahren einsetzenden vulkanischen Aktivitäten führten im nördlichen Teil des Zentralmassivs zur Bildung von Granitgestein. Im Süden hingegen wechselten sich besonders kalkhaltige fluviatile und marine Ablagerungen ab und bildeten Bergketten wie beispielsweise die Dentelles de Montmirail - wahrer Kalkgebirgszug mit gezacktem Felsgrat - oder den Mont Ventoux. Vor 40 Millionen Jahren führte die alpidische Hebung dazu, dass das Tal, welches die beiden Massive trennte, absank. Der hierdurch entstandene alpine Golf wurde vom Mittelmeer überflutet, wodurch sich nach und nach Schichten aus hartem Kalk und Mergel ablagerten und zu einem Gesteinssockel wurden. Später führte die Schließung der Meeresenge von Gibraltar zu einer starken Absenkung des Mittelmeerspiegels, wodurch sich das Flussbett der Rhône vertiefte. An der Talflanke entstanden Terrassen und in den Böden der Hänge vermischten sich verschiedene Bestandteile: Sand, toniger Lehm mit Silikatgestein. Heute setzen sich die Böden aus vier Gesteinsarten zusammen: Granit, Quarzsand, Kalkstein Ton. Dieses Muttergestein spielt eine wesentliche Rolle bei der Regulierung des Wasserhaushalts am Weinberg und verleiht den Weinen der Rhône insbesondere ihre außerordentlichen Aromen und Geschmacksnoten.

  2. 2.

    Eines der ältesten Weinbaugebiete

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    Im 4. Jahrhundert zur Zeit der Griechen wurden die Reben in Marseille gezogen. Im Norden des Rhônetals entwickelte sich der Weinanbau ab dem 1. Jahrhundert n. Chr. und das Weinbaugebiet machte Italiens Weinbergen Konkurrenz. In diese Epoche fällt u. a. auch der Bau der galloromanischen „Villa du Molard“ in Donzère im Tal der Rhône, die bis heute als das wichtigste dokumentierte Kelterhaus der Römerzeit angesehen wird. Zu dieser Zeit entstanden ebenfalls die ersten Amphorenwerkstätten in diesem Gebiet. Die dort hergestellten Gefäße dienten dem Transport von Weinen und Fischsoßen. Anhand der Amphoren (Dolia oder Krugamphoren) konnte auch nachgewiesen werden, dass beispielsweise in Chusclan, Trèsques oder im Massiv von Cèze zu dieser Zeit bereits Sandstein und Sand vorkamen. Aus Lehmerde hergestellte Keramiken, die in Saint-Laurent des Arbres, Sauveterre usw. gefunden wurden, ließen auf die Anwesenheit von Ton schließen. Diese archäologischen Funde und entsprechende historische Forschungsarbeiten belegen, dass im Rhônetal bereits früher als in vielen anderen Weinbaugebieten Frankreichs, Weinbau betrieben wurde. Römer, die die Rhône hinaufzogen, gründeten zunächst auch die Stadt und legten später den Weinberg von Vienne an, dessen Weine sofort zu großem Ansehen gelangten. Die Römer nahmen bedeutende Arbeiten vor, zu denen u. a. das Tiefpflügen des Bodens, das Pflanzen von Weinreben und die Errichtung von kleinen Mauern zur Abstützung der Terrassen zählten. Zudem gaben die Römer den ersten Impuls zur kommerziellen Nutzung des Weinbaus. Der Zusammenbruch des römischen Weltreichs war der Ausweitung des Weinbaus jedoch abträglich. Absatzmöglichkeiten gab es plötzlich nur noch für Weine aus Weinbergen in Nähe der Mittelmeerhäfen und nördlich der Rhône, welche auch Lyon belieferten. Im Mittelalter verlieh die Kirche der Weinkultur wieder neuen Auftrieb.

  3. IVème s.

     

    3.

    Der Wein
    der Päpste

    Im 13. Jahrhundert trat der französische König Ludwig VIII. die Grafschaft (Comtat) Venaissin an den Papst Gregor X. ab. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts ließen die in Avignon sitzenden Päpste, bei denen der Wein der Region besonderen Anklang fand, um Avignon herum bedeutende Weinbaugebiete anlegen. Johannes XXII, der zweite der sieben in Avignon residierenden Päpste, ließ in Châteauneuf einen Sommersitz errichten. Benedikt XII, der dritte Avignoneser Papst, begann mit dem Bau des Papstpalastes. Später gegen Ende des 17. Jahrhunderts wurde der Hafen von Roquemaure (Gard) zu einem wichtigen Zentrum für die Verschiffung der Weine. Der Name „Côste du Rhône“ bezeichnete damals einen Verwaltungsbezirk der Vogtei von Uzès (im Departement Gard), der für seine Weine berühmt war. 1650 erfolgte ein Erlass zum Schutz von Herkunft und Qualität der Weine. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts wandelt sich die Bezeichnung „Côste du Rhône" in Côtes du Rhône, deren Weinberge sich nun auch auf das linke Rhône-Ufer erstrecken. Die über die Jahrhunderte erlangte Bekanntheit und Qualität, die sich hinter dieser Bezeichnung verbirgt, wurde im Jahr 1936 von den Landgerichten in Tournan und Uzès bestätigt.

  4. 4.

    Schaffung der kontrollierten Herkunftsbezeichnung(en) AOC

    Sehr auf die Qualität ihrer Weine bedacht, hat das Rhônetal bei der Gründung der Herkunftsbezeichnung für französische Weine eine entscheidende Rolle gespielt. In den Dreißigerjahren des 20. Jahrhunderts wurde der Visionär, Baron Le Roy zum Verfechter der Herkunftsbezeichnung. Als Winzer in Châteauneuf du Pape setzte er sich für die Anerkennung der besonderen Eigenschaften dieses Anbaugebietes ein und erwirkte 1933 die Zuerkennung der Bezeichnung „Appellation d'Origine Contrôlée“. Mit dieser ging auch die Festlegung von Qualitätskriterien einher, an denen sich später alle AOC-Dekrete orientieren sollten: Abgrenzung des Anbaugebietes, Rebsortenzusammensetzung, Verwendung, Einhaltung lokaler Gepflogenheiten/Bräuche, Anbaumethoden, Mindestalkoholgehalt und Weinlese. Le Roys Einsatz war es auch zu verdanken, dass die schon lange bestehende Bezeichnung Côtes du Rhône gesetzlich anerkannt wurde. Später beteiligte er sich maßgeblich an der Gründung des Institutes „ INAO" (heute: Nationales Institut für Herkunft und Qualität), welches er von 1947 bis 1967 präsidierte. Seither sind die Bemühungen des gesamten Weinbaugebietes auf das Erringen des AOC-Status und die Wahrung und Garantie der Qualität ausgerichtet.

    Die Appellationen

    1930

    In den Dreißigerjahren des 20. Jahrhunderts wurde der Visionär, Baron Le Roy zum Verfechter der Herkunftsbezeichnung. Als Winzer im Anbaugebiet Châteauneuf du Pape setzte er für die Anerkennung und Wahrung der besonderen Eigenschaften dieser Appellation in Form einer kontrollierten Herkunftsbezeichnung ein, für die er 1933 den richterlichen Zuspruch erhielt.

  5. 5.

    Geschichte und Identität

    „Man stelle sich einmal vor: 250 km von Norden nach Süden, 250 Gemeinden ... Die Weinbauregion Rhônetal ist eine Welt für sich und es lohnt sich unbedingt, sich näher mit ihr zu befassen. Eine sich stetig wandelnde Landschaft, die sich zu beiden Seiten eines bedeutenden Flusses, der Rhône, ausbreitet. Diesem wahrhaft königlichen Fluss, der nicht nur Kieselsteine, sondern auch eine reiche Geschichte mit sich führt. Die Rhône ist das Glied, dass diese unterschiedlichen Landstrichen miteinander verbindet. Von Vienne über Nîmes und Avignon bis an die Grenzen des Luberon bieten sich zu beiden Ufern des Flusses unzählige Möglichkeiten, diese Region zu entdecken“, so beschreibt es Christophe Tassan in seinem Band „Flânerie dans le Vignoble de la Vallée du Rhône.

    Rebsorten anzeigen
  6. 6.

    Eine Geschichte mit Fortsetzung

    Das schon immer als bevorzugte Verbindungsachse zwischen dem Mittelmeerraum und dem nördlichen Teil Europas geltende Rhônetal beherbergt ein sich über sechs französische Departements erstreckendes Weinbaugebiet. Der wasserreiche und mächtige Rhône-Fluss formt hier nicht nur die Landschaft, sondern verleiht dem Terroir auch seinen besonderen Charakter. Die zwischen Vienne und Avignon gelegenen, vom Zentralmassiv, den Alpen und im Süden vom Mittelmeer umsäumten Weinberge schöpfen ihre Energie aus den Sonnenstrahlen und dem Wind, der durch das Tal weht. Aber selbstverständlich sind es auch die Bemühungen der Winzer, die bei der Herstellung ihrer Qualitätsweine größten Wert darauf legen, die Umwelt zu schonen, die den Appellationen ihre unverwechselbare Persönlichkeit geben ... So entstehen feingliedrige und inspirierte Weine, an denen sich Weinliebhaber auf der ganzen Welt erfreuen.